Naturstudium für Kinder

Aktualisiert: 16. März

Eine erfrischende «Schulstunde», die ihre Kinder begeistern und fesseln wird, ist Charlotte Masons Fach Nature Study! Dafür besorgen Sie sich eine Tulpe, Zeichnungspapier, einen Pinsel und Wasserfarbe oder Farbstifte! Und los geht’s im Garten oder drinnen am Tisch!




“Das Studium der Natur kultiviert im Kind die Liebe zum Schönen; es schult in ihm schon früh eine Wahrnehmung von Farbe, Form und Tönen. Es lernt sehen und hören. Das Kind entwickelt ein Gefühl der Verbundenheit mit dem Leben im Freien und eine beständige Liebe zur Natur, zu der es Sorge tragen wird." (Handbook of Nature Study, Anna Botsford Comstock)

Und so gehen Sie am besten vor:

  1. Lassen Sie die Kinder das Aussehen der Pflanze genau beschreiben: die Blüte, den Stängel, die Blätter und die weiteren Pflanzenteile. Dies schult die Beobachtungsgabe.

  2. Erzählen Sie dem Kind mit dem Vokabular eines Naturforschers mehr über die Pflanze (aus Vokabular und Zusatzmaterial, Naturkunde, Arp Verlag).

  3. Blüten aussen und innen: 6 freie Blütenblätter, die anfänglich grün waren. Wenn diese einfache Tulpe zu blühen beginnt, werden alle sechs Blütenblätter farbig. Drei von ihnen umhüllen die Blüte von aussen; in der Lücke dazwischen stehen die drei inneren. Kelchblätter sind keine vorhanden. Ebenso wie die Blütenblätter sind auch die sechs Staubblätter in Kreisen zu je drei angeordnet. Die Tulpenblüte ist aufgrund dieses Blütengrundrisses dreizählig! Jedes Staubblatt besteht aus Staubfaden und Staubbeutel, in dem sich der Pollen (Blütenstaub) befindet. In der Mitte der Blüte steht der Stempel. Seine dreizipflige Narbe sitzt auf einem länglichen Fruchtknoten. Ein deutlicher Griffel fehlt! Wenn man den Fruchtknoten durchschneiden würde, kämen die drei Fächer mit den Samenanlagen zum Vorschein! Nachdem die Blume verblüht ist, verdickt sich der Stempel. Aus ihm entsteht die Frucht, eine Kapsel.

  4. Stängel: Aus der Zwiebel wächst der runde Stängel heraus. Er ist unverzweigt und trägt ausser den Blättern die grosse, auffällig gefärbte Blüte. Die Laubblätter der Tulpe sind wechselständig angeordnet. Die Blattadern verlaufen parallel zueinander. Sie sitzen ohne Stiel direkt am Stängel und umfassen ihn. Bei Regen perlen Wassertropfen auf der wachsüberzogenen Blattoberfläche ab und fliessen am Stängel abwärts. So gelangt das Wasser schnell in den Bereich der Wurzel.

  5. Nun beginnen die ersten Mischversuche mit den Wasserfarben! Gelingt es, die Farben der vorliegenden Tulpe zu treffen?

  6. Nun machen sich die Kinder Gedanken, wie sie das vor ihnen liegende Blatt gestalten. Wo sollen sie die einzelnen Teile der Tulpe hinzeichnen und wie gross soll die Tulpe werden? Hier hilft es eventuell, die Tulpe zunächst mit einem Finger unsichtbar auf das Blatt "zu malen"

  7. Zum Malen wird die sog. «dry brush»-Methode verwendet, d.h. der Pinsel soll nicht allzu nass sein.

  8. Zum Schluss soll das Datum, der Pflanzenname (evtl. auch Lateinisch) dem Kunstwerk hinzugefügt werden.


Wen es gepackt und wer regelmässig in der Natur zeichnen möchte, dem empfehle ich ein leeres Zeichnungsbuch ("Nature Study Buch") anzuschaffen. Alle Naturzeichnungen in einem Buch zu sammeln, ist eine schöne Erinnerung und gerade für Kinder ist ein solches Buch oft ihr ganzer Stolz.


Zwecks fächerübergreifendem Lernen kann auch noch gerade das passende Frühlingsgedicht «Die Tulpe» von Joseph Guggenmos auswendig gelernt werden.



Die Tulpe


Dunkel

war alles und Nacht.

In der Erde tief

die Zwiebel schlief,

die braune.


Was ist das für ein Gemunkel,

was ist das für ein Geraune,

dachte die Zwiebel,

plötzlich erwacht.

Was singen die Vögel da droben

und jauchzen und toben?

Von Neugier gepackt,

hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht

und um sich geblickt

mit einem hübschen Tulpengesicht.


Da hat ihr der Frühling entgegen gelacht.



Joseph Guggenmos (1922-2003)

Quelle: „Gross ist die Welt, die schönsten Gedichte“

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