Charlotte Mason (1842-1923) kam zu Beginn ihrer Tätigkeit als Pädagogin zu folgendendem Schluss:

Wenn wir einen Blick auf die Erziehung in der Heimat und in andern Ländern werfen, so erscheint uns alles unklar und entmutigend ... wir haben keinen einheitlichen Grundsatz, kein festes Ziel; wir haben tatsächlich keine Erziehungsphilosophie!“ (1909)

Charlotte Mason entwickelte mit ihrer 30jährigen Erfahrung in Erziehung und Bildung eine eigene Pädagogik und forderte mit ihren progressiven Ideen die damalige, sich im Wandel befindende Gesellschaft heraus.

Ihre Erkenntnisse gab sie zuerst in Vorträgen an Eltern weiter. Später schrieb sie dies in einem sechsbändigen Werk mit dem Namen „Home Education“ nieder. Ihre Gedanken begeisterten nicht nur Eltern, mit denen sie eine Elternorganisation, die Parents National Education Union (PNEU), gründete, sondern auch Lehrpersonen. Sie entwickelte wie viele andere Pädagogen Grundlagen für Schulen und publizierte Lehrbücher und Lehrpläne. Ferner führte sie weltweit eine Korrespondenz mit Schulen, die nach ihren Ideen unterrichteten ( ca. 300) und stand am Ende ihres Lebens zahlreichen Bildungs- und Erziehungsverantwortlichen beratend zur Seite. Dies, nachdem sie vorher nach dreissigjähriger Unterrichts- und Lehrtätigkeit im Alter von 50 Jahren in den nordenglischen Lake District, nach Ambleside gezogen war und dort das Lehrerinnenausbildungsinstitut «House of Education» gegründet hatte. Charlotte Mason Gütesiegel ist, dass sie ihre Pädagogik und Methodik selbst im Schulalltag umgesetzt hat. Sie begnügte sich also nicht mit intellektueller Akrobatik und Gedankenexperimenten, sondern stellte ihre Theorien in der realen Welt auf die Probe. Interessanterweise hält ihre bereits vor über 100 Jahren entwickelte Lerntheorie neuesten neuropsychologischen Erkenntnissen und Lerntheorien stand. Hauptpunkte ihrer Pädagogik und Methodik sind:

  • Kinder sind einmalige Persönlichkeiten (A child is a person).
  • Der Einfluss der Atmosphäre, die das Kind umgibt ist von höchster Bedeutung (Education is an Atmosphere).
  • Gewohnheiten bestimmen unser Leben (Education is a Discipline).
  • Wir lernen durch Ideen und Beziehungen (Education is a Life, a Science of Relations).